Taschentuchreservat –- Die Story

Die Geschichte begann ganz harmlos, und ohne dass Folgen in irgendjemandes Absicht gelegen hätten. Im Januar 2008 plagte ich mich mit klassischen Versmaßen. Der Grund dafür war die Arbeit an den Gedichten für „untertext“. Das führte am 17. Januar zu einem Eintrag in meinem Blog, der die “Abschiedsaria” von Johann Christian Günther zum Inhalt hatte, einen jambischen Fünfheber nach dem Vorbild der französischen Renaissance.

Schweig du doch nur, du Hälfte meiner Brust;
Denn was du weinst, ist Blut aus meinem Herzen.
Ich taumle so und hab an nichts mehr Lust
Als an der Angst und den getreuen Schmerzen,

Da die vier zitierten Zeilen Ausdruck tiefster Verzweiflung waren, beruhigte ich meine Blogfreunde mit dem Hinweis, dass es mir durchaus gut gehe. Der Eintrag wäre innerhalb kürzester Frist in Vergessenheit geraten, hätte ich nicht, wenn auch nur zum Scherz, auf einen Kommentar mit der Bitte um ein Taschentuch geantwortet, welches galant (mit Bild) überreicht wurde. – Noch ahnte niemand, dass dieses Taschentuch ein Ausstellungsstück werden und einmal zum Grundstock des Taschentuchreservats gehören würde.

Später sagte ich: „Eigentlich wundert mich, dass es mich wunderte, wie schnell shaveskin ein Taschentuch „aus dem Netzt geholt“ hatte.“ Doch diese Geste regte mich zu einer Idee an, und da Blogfreunde sich bisweilen gern zu kleinen Aktionen animieren lassen, rief ich zu Taschentuchspenden auf. Am selben Tag bloggte ich Christian Morgensterns wunderbares Taschentuch-Gedicht „Palmström“. Ein zweiter Spendenaufruf war gar nicht mehr nötig. Es wurden nicht nur Taschentücher aus dem Netz gefischt, sondern, öfter noch, eigene Taschentücher fotografiert, das erste von Phillipp, der mit dem Foto auch gleich Dr. Phielgut einführte. Und damit war die erste Figur für das geschaffen, was man getrost auch ein Rollenspiel nennen darf. Phielgut bewies schon im ersten Kommentar sein profundes Wissen über Taschentücher. Und auch wenn der gute Doktor sich im Lauf der Zeit als flüchtige Erscheinung im wahrsten Sinne des Wortes erweisen sollte, was man schon aus der unterschiedlichen Schreibweise seines Namens hätte schließen können (auch als Philgut und Phillgut tritt er in Erscheinung), so ist er einer der Protagonisten der sich entwickelnden Geschichte und wurde bei Gründung des Taschentuchreservats einer der beiden wissenschaftlichen Berater. Der zweite Protagonist ist huenten in der Rolle des Prof. Piedro Cazador del Pañuelo, und auch huenten hat spontan zu den Taschentuchspenden beigetragen.

Am 24. Januar kündigte ich die Eröffnung der Taschentuchausstellung an und gab allen Interessierten noch Gelegenheit, zur Ausstellung beizutragen. Drei Tage später war die Ausstellung im Netz zu bewundern. In den Kommentaren dazu aber entwickelte sich die Geschichte, die schließlich zur Gründung des Reservats führte. Zum besseren Verständnis der mit Dr. Phielgut, Prof. Cazador del Pañuelo und meinem alter ego Lydia Hohlsaum-Niesen geführten Korrespondenz hier eine kurze Zusammenfassung:

Am 28. Januar kommentierte Prof. Cazador del Pañuelo, der sich schon durch großzügige Taschentuchspenden verdient gemacht hatte, dass die Nichtregierungsorganisation (NGO) RUT (Rettet unser Taschentuch) vorhabe, ein Taschentuchreservat bei blog.de zu gründen, und bat um Angabe des Spendenkontos.
Als Mitglied des Vorstands des Vereins meldete sich Lydia Hohlsaum-Niesen zu Wort und lud den Professor ein, im Rahmen eines Symposiums, das den Höhepunkt der Ausstellung bilden sollte, einen Vortrag zu halten. Noch am selben Tag antwortete er aus Bogota und nahm die Einladung an.

Am 29. Januar bekundete auch Dr. Phielgut wieder seine Sympathie für das Vorhaben. Sehr engagiert, hatte er eine Demonstration zur Rettung des Taschentuchs organisiert.

Ebenfalls am 29. Januar nahm Phielgut auch Kontakt zu dem Professor in Kolumbien auf. An wissenschaftlichem Austausch interessiert, lud er ihn ein, zumal er den Kollegen für eine besondere Spezies von Taschentüchern interessieren wollte, welchen er auf seinem Privatgelände Schutz vor der Ausrottung geboten hatte. Bei dieser Gelegenheit bat er den Professor auch um die kleine Gefälligkeit, ihm eine geringe Menge von Puderzucker zu schicken, der dem Vernehmen nach, in Kolumbien in besonders hochwertiger Qualität hergestellt wird.

Am 1. Februar beantwortete Professor Cazador del Pañuelo Dr. Phielguts Schreiben, bekundete sein Interesse an dessen Forschungsprojekt und bestätigte in einem Postskriptum, dass er sich um die Erfüllung von Phielguts kleinem Wunsch bereits gekümmert hatte. Allerdings wird aus dem Brief ersichtlich, dass es hinsichtlich der Menge von Puderzucker zwischen den Herren wohl ein Missverständnis gegeben hatte. In einem Brief gleichen Datums entschuldigte der Professor sich dann bei Dr. Phielgut auch für das Versehen. Sehr zu Recht befürchtete er, dass dem Doktor aus der Lieferung Schwierigkeiten erwachsen könnten, und bot ihm eine Anstellung in seiner Forschungsabteilung an.

Am 2. Februar bedankte Phielgut sich in einer Expressnachricht bei dem Kollegen in Bogota und fügte ein Foto bei, welches den zu einer Halde aufgeschütteten Puderzucker zeigt. Allerdings hatte der Doktor keine Gelegenheit mehr, seine Zeilen an Professor Cazador del Pañuelo mit einer Grußformel zu beenden. Er war verhaftet worden.

Am 3. Februar fand das Symposium „Taschentücher. Oft verloren doch nicht für immer“ statt, und Lydia Hohlsaum-Niesen hatte die Ehre, die Begrüßungsworte zu sprechen. Der Vortrag von Professor Cazador del Pañuelo war hochinteressant. Der Vortrag von Dr. Phielgut musste von seinem Rechtsanwalt verlesen werden. Phielgut saß in Untersuchungshaft. Alle Versuche, seine Unschuld an dem ihm zur Last gelegten Vergehen zu beweisen, waren fehlgeschlagen, und er erhielt keinen Hafturlaub.

Eine Woche nach dem Symposium, am 10. Februar wurde das Taschentuchreservat gegründet und alle in der Ausstellung gezeigten Taschentücher darin aufgenommen. Seither bemühte ich mich vergeblich, zu Dr. Phielguts Haftentlassung beizutragen oder zumindest eine Besuchserlaubnis in der JVA zu erhalten. Cuentacuentos, die sich ehrenamtlich als Assistentin zur Verfügung gestellt hat, unterstützte mich dabei, und der Fortgang der Ereignisse, wie zum Beispiel die mysteriöse Flucht des Doktors aus dem Gefängnis, ist aus den Einträgen in diesem Blog zu ersehen.

Ich empfehle allen Besuchern, sich nicht mit dem Lesen dieser Zusammenfassung zu begnügen, sondern den oben angebotenen Links zu folgen und die Beteiligten selbst zu Wort kommen zu lassen. Es ist sehr unterhaltsam.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass neue Taschentücher immer willkommen sind und liebevoll hier aufgenommen werden.

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Regeln für Besucher des Reservats

  1. Für eine geordnete Besichtigung der im Reservat lebenden Taschentücher melden Sie sich bitte bei “Tags” für “Taschentuch” an.
  2. Das Füttern der Taschentücher ist streng verboten. Futterspenden in Form verschiedener Körperflüssigkeiten und Kosmetika müssen durch Beschriftung kenntlich gemacht und können bei der Verwaltung abgegeben werden.
  3. Lautes Niesen ist dazu geeignet, die feineren Taschentücher in Panik zu versetzen. Wir bitten um Rücksichtnahme.
  4. Mitgeführte Privattaschentücher sind in der Tasche zu behalten.

Taschentuch mit Knoten, aber nicht dolle krank :-)

Zeichnung: Taschentuch mit Knoten

© Phillipp

Geschütztes Taschentuch 019

Sudarium officinalis medicinalis

Das Sudarium officinalis medicinalis, rein äußerlich kaum von anderen Exemplaren der Unterart Papiertaschentuch zu unterscheiden, kennzeichnet, neben einem besonders ausgeprägten Sinn für Hygiene, ein nicht minder ausgeprägter Sinn für Disziplin und die erstaunliche Bohrerfestigkeit, zu vergleichen nur mit der Schussfestigkeit von Polizeihunden. So wie das Sudarium officinalis medicinalis natürlich durchbohrt und ein Polizeihund erschossen werden könnte (der Begriff Festigkeit ist hier etwas verwirrend), so ergreift dieses Taschentuch beim Klang eines Zahnarztbohrers ebenso wenig die Flucht, wie ein Polizeihund beim Klang von Schüssen. In vorbildlicher Habachtstellung verharrt das Sudarium officinalis medicinalis neben dem Becken und wartet seinen Einsatz ab.

Das hier gezeigte Exemplar befindet sich keineswegs im Ruhestand, sondern zählt zu den „Freigängern“ des Reservats, kehrt am Ende seines Arbeitstages jedoch zuverlässig hierher zurück.

Ein Problem könnte die Haltung im Reservat werden, wenn dieses Tuch zu alt wird, um seinem Beruf nachzugehen. Sollten sich dann Anzeichen für eine Depression bemerkbar machen, wäre es zwar leicht möglich, dem Sudarium officinalis medicinalis täglich Bohrgeräusche von einem Tonträger vorzuspielen, um es aufzuheitern, dies jedoch könnte bei unseren anderen Schützlingen, deren Vorbesitzer zumeist Menschen mit einer natürlichen Angst vor dem Zahnarzt gewesen sein dürften, zu Nervosität bis hin zu Panik führen. Der Lösung dieser Frage werden wir uns widmen, wenn es soweit ist. Vorläufig müssen wir unsere Besucher bitten, mit dem Foto Vorlieb zu nehmen, welches unsere Fotoreporterin Villa50 am Arbeitsplatz des Sudarium officinalis medicinalis gemacht hat, denn während der regulären Öffnungszeiten des Reservats ist dieses Taschentuch nicht zu besichtigen, sondern geht seinem Blut- und Speichelerwerb nach.

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Davidia involucrata

Der Taschentuchbaum (Davidia involucrata) ist die einzige Pflanzenart der monotypischen Gattung Davidia. Die in Deutschland übliche Bezeichnung rührt von den großen weißen Hochblättern, die bei jedem Windhauch wie Taschentücher winken.

Diesen Baum zu finden, unternahm der Botaniker und „Pflanzenjäger“ Ernest Henry Wilson, gerade 23jährig, im Jahr 1899 von Liverpool aus eine Weltreise. Auf dem Segelschiff „Pavonia“ überquerte er den Atlantischen Ozean und anschließend mit der Eisenbahn Nordamerika, um sich in San Franzisko nach China einzuschiffen, denn besonders dessen Pflanzenwelt hatte es ihm angetan, und in Hongkong erwartete ihn Augustine Henry, ein schottischer Medizinalbeamter, der aus Langeweile mit dem Pflanzensammeln begonnen und Wilson seine Hilfe angeboten hatte. Diese versprochene Hilfe jedoch bestand in nichts weiter als einer skizzierten Landkarte, welche ein Gebiet von 52.000 Quadratkilometern beschrieb, und auf welcher der Standort eines einzelnen Taschentuchbaumes eingetragen war. Wilson ließ sich nicht entmutigen, machte sich auf die Suche und fand schließlich die bezeichnete Stelle, an dieser aber ein neu errichtetes Holzhaus und daneben den Stumpf des gefällten Baumes, den zu finden Wilson 21.000 Kilometer gereist war. Enttäuscht kehrte er nach Ichang zurück. Vergeblich aber sollte seine Reise nicht gewesen sein, denn er fand eine Kletterpflanze mit essbaren Früchten, die heute beliebte Kiwi, darüber hinaus Gehölze, darunter den Zimt-Ahorn, sowie die heute auch in Europa und Amerika sehr verbreiteten Clematis, Rhododendren und Kamelien und schickte von allem Samen und Früchte nach England. Endlich aber sollte seine Geduld doch noch eine besondere Belohnung erfahren, denn schließlich entdeckte er auch ein in voller Blüte stehendes Exemplar des Taschentuchbaumes. Als Entdecker desselben trug er dennoch nicht die Ehre davon, denn als er nach England zurückkehrte, stellte sich heraus, dass bereits 1897 der französische Jesuit Père David Taschentuchbaumsamen nach Paris gebracht hatte, und es ihm gelungen war, aus einem davon eine Pflanze zu ziehen.

Nun aber wird es wirklich spannend, denn…
… um nichts weniger verwegen und entdeckungsfreudig als Wilson, unternahm unsere Korrespondentin Villa50 bei widrigsten Witterungsverhältnissen, die als strömenden Regen zu bezeichnen eine schamlose Untertreibung wäre, eine Expedition in den Botanischen Garten eben jener Stadt, von der ich schon sagte, sie stünde an, zur Taschentuch-Hauptstadt der Welt, oder doch Europas oder zumindest doch Thüringens gekürt zu werden. Den Erfolg dieser Expedition beweisen die gestern entstandenen und uns sofort übermittelten Fotos.

Taschentuchbaum

Taschentuchbaum

Taschentuchbaum

Jena ist die Taschentuch-Hauptstadt.

Dieser Meinung vertreten mit aller Entschiedenheit jedenfalls Lydia Hohlsaum-Niesen und ich, und andere Meinungen mögen gelten, wo sie wollen, aber nicht im Taschentuchreservat.

Lydia Hohlsaum-Niesen

Geschütztes Taschentuch 018

Birgit Lohmann: Taschentuch I

Birgit Lohmann: Taschentuch II

Die in Jena lebende Malerin Birgit Lohmann widmete dem Taschentuchreservat zwei Zeichnungen, auf denen sie ein ihr besonders wertvolles Taschentuch portraitierte.
Das Tuch aus sehr feinem weißem Leinen schenkte Birgits 1903 geborene Großmutter Anna ihrer Tochter Renate, die es wiederum ihrer Tochter Birgit schenkte. Das Tuch, das somit die Verbundenheit zwischen drei Generationen symbolisiert, trägt das Monogramm R.S.

Nachdem bereits Villa50 zum Reservat bei dessen Gründung ein wertvolles Familienstück, das einst zu ihrer Aussteuer gehört hatte, beitrug, sollte die Wertschätzung, welche in Jena dem Stofftaschentuch entgegengebracht wird, die Stadt zu einem der aussichtsreichsten Anwärter auf den Titel „Hauptstadt der Taschentücher“ machen.

Weitere Arbeiten der Künstlerin sind auf ihrer Webseite zu sehen: http://birgitlohmann.de/

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Das Taschentuch und die Kunst

Nie bestand der geringste Zweifel daran, dass dem Taschentuch auch in der Kunst ein Platz zukommt. Dennoch hätten wir nie zu hoffen gewagt, dass ein Exemplar, dessen Herkunft kunsthistorisch belegt werden kann, jemals den Weg zu uns finden würde. Nun aber ist es dank einer glücklichen Fügung doch geschehen.

Mit der renommierten Kunstkennerin Miss Marples hatte ich über die Bedeutung des Taschentuchs in den Künsten korrespondiert, als ihr eine Ähnlichkeit zwischen dem seit kurzem hier untergebrachten sudarium canapenensis und diesem von Julian Alden Weir portraitierten Taschentuch auffiel:

The Black Hat, 1898

Meine eingehende Untersuchung einer Detailvergrößerung brachte dann das Ergebnis, dass nicht nur eine Ähnlichkeit besteht, sondern dass es sich hier ohne jeden Zweifel um ein Jugendbildnis unseres Schützlings handelt.

The Black Hat, 1898 (Detail)

Es ergab sich die Frage, warum Weir sein Gemälde nicht “„Das Taschentuch“” sondern “„Der schwarze Hut“” nannte, während die dargestellte Person ihm weniger wichtig zu sein schien. Die Vermutung liegt nahe, dass es dem amerikanischen Impressionisten darum ging, Hut und Taschentuch in einem Bild darzustellen, was auch in einem Stillleben möglich gewesen wäre. Ein Stillleben aber hätte die Beziehung zwischen Hut und Tuch sehr offensichtlich gemacht, und dies wollte Weir wohl vermeiden. Ein Geheimnis sollte sie bleiben, das gemeinsame Portrait eher dem Zufall geschuldet, dass die Hutträgerin das Tuch in der Hand knüllt. Hypothese bleibt, ob es sich bei dem Tuch um das Utensil eines Magiers handelt, welcher eben jenes Tuch bei seinen Auftritten aus eben jenem Hut hervor zu zaubern pflegte, bis er, ähnlich wie Dr. Philgut, plötzlich verschwand, weshalb die Dame nun das Tuch in stiller Verzweiflung in ihrer Hand knüllt.

Lydia Hohlsaum-Niesen
Geschäftsführerin

lydia_sm

Geschütztes Taschentuch 017

Taschentuch-Amalie

Auf dieses Exemplar des sudarium canapenensis, zu Deutsch Couch Potatoe, sind wir besonders stolz, denn die Gattung ist zwar nicht selten, aber sehr schwer zu finden. Diese zunächst ausgesprochen handzahme Art zeichnet sich durch die Gewohnheit aus, plötzlich extrem scheu zu werden und sich so gut in Polsterritzen und unter Sofakissen zu verbergen, dass sie oft wochenlang nicht mehr gesichtet wird. Laien verwechseln das sudarium canapenensis allzu leicht mit einem gewöhnlichen Knüddeltuch, für welches ein Papierkorb oder Abfalleimer als geeigneter Aufenthaltsort erachtet wird. Unter diesen Haltungsbedingungen ist dem Taschentuch dann meistens nur noch eine kurze Lebensdauer vergönnt. Dass es unserem Schützling nicht ebenso ergangen ist, ist einzig der Umsicht von MissMarples zu verdanken. Hier im Reservat halten wir dieses Taschentuch natürlich in einer gepolsterten und mit einem Kissen ausgestatteten Höhle, in der es sich jederzeit verkrümeln kann.

Füttern verboten!

Geschütztes Taschentuch 016

pañuelo de la dama

Dieses prachtvolle pañuelo de la dama mit einem Jungtaschentuch wurde uns von Gabriela aus Spanien geschickt. Obwohl ursprünglich in der Schweiz beheimatet, hat sich diese Art den Lebensbedingungen in Spanien sehr gut angepasst und sich dort sogar zu einem Afficcionado der Corrida entwickelt. Es verfügt über ein überschäumendes Temperament und vermag, wenn es in Begeisterung gerät, sogar einige Meter in die Luft zu fliegen. Unsere Taschentuchpfleger sind angewiesen, mindestens einmal wöchentlich einen Stierkampf zu simulieren. Pañuelos de la dama leben oftmals in Symbiose mit Fächern, und wir bemühen uns bereits um den Ankauf eines passenden Fächers, damit das pañuelo sich bei uns wie zuhause fühlt.

fuettern_verboten

Dr. Philgut auf der Flucht

Verehrte Frau Dr. Hohlsaum-Niesen,

Tumult vor meiner Tür, hektisches Geschrei, Entsetzenschreie… Beunruhigt sah ich auf vom Elektronenmikroskop, womit ich gerade die Molekularstruktur eines südchinesischen Taschentuches untersuchte, da riss jemand die Tür zu meinem kleinen, dunklen Studierstübchen im hintersten Winkel des uralten Universitätsgebäudes auf, und eine wilde Schar erregter Studentinnen stürmte herein.
“Dr. Philgut ist geflohen!”, schrie Maria-Theresia Escobal-Golfino, meine Lieblingsstudentin, und warf sich schluchzend an meinen Hals, während ihre Kommilitoninnen einen Halbkreis um uns bildeten.
“Wie überaus erfreulich!” rief ich und streichelte Marias schwarzes, volles Haar.
“Oh nein! Das ist gar nicht erfreulich!”, rief Maria, “Er wird sich an Ihnen rächen, verehrter Professor. Sie waren es, der diese unglaubliche Menge Puderzucker auf den Weg und Philgut ins Gefängnis gebracht hat. Sie müssen fliehen! Wir werden mit Ihnen gehen, wohin immer es sei!”

Einen Augenblick war ich versucht, Marias Flehen nachzugeben. Ein Dschungelcamp trat vor mein geistiges Auge, ich inmitten der fröhlichen Weiberschar am Lagerfeuer, ein Pantherfell um die Hüften, doch dann siegte die Vernunft. “Oh, Ihr Törichten!” rief ich aus. “Dr. Philgut wird mir kein Haar krümmen. Freundliche Menschen von jenseits des Ozeans sind ihm auf der Flucht behilflich! Und wenn Gott will, wird er es schaffen, hierher zu kommen und uns zu unterstützen bei unserem Werk, der Erforschung der vielfältigen Erscheinungsformen des Stofftaschentuchs.”
“Ach, dass sie nur Recht haben”, schluchzte Maria, während ich das Stofftaschentuch unter dem Mikrospop hervorzog, um ihre Tränen zu trocknen.
“Geht nun, liebe Kinder”, sagte ich zu den Umstehenden, “Maria braucht ein wenig Ruhe”.
Brav zogen sich die Studentinnen zurück, und Stille kehrte in meine Klause ein. Ich legte das Taschentuch wieder unter das Mikroskop und beugte mich über das Okular, während Maria mit ihrem Stuhl ein wenig näher rückte und geschickt Lichtstärke und Auflösung einstellte.
Alles war wieder gut und während mein Blick entlang der Molekularstrukturen des Taschentuches wanderte, lächelte ich leise und dachte an Dr. Philgut, der auf seinem Wege war, auf dem Wege zu uns und unserer verschworenen Gruppe, die ihn freudig erwartete.

Frau Dr. Hohlsaum-Niesen, falls sie Dr. Philgut sprechen können, teilen Sie ihm mit, er sei hier in Bogota stets willkommen. Der seinerzeit angebotene Job im Forschungslager ist nach wie vor zu besetzen. Die Kalaschnikov steht immer noch in meinem Spind.

Mit besten Grüßen

Ihr

Piedro Cazador del Panuelo
Professore h.c.
Universidad Ciudad del Rey
Con Pañuelo Hecho Por el Papel
Bogota/Departemente Cundinamarca

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